Trends beim Lernen – denn es gibt noch mehr als Social Media

Der Hype lässt es uns manchmal vergessen: Kommunikation ist mehr als sinnvolles Nutzen von Facebook & Co. Gerade Public Relations ist klassisch eng mit Lernen und Wissensvermittlung verknüpft. Daher blicke ich heute mal auf Trends beim Lernen.

Als ausgebildeter Kommunikationstrainer liebe ich natürlich das interaktive Lernen Face to Face. Zwar sind die Grundlagen auch heute noch nicht in allen Bildungseinrichtungen und besonders nicht bei der großen Heerschar an Power-Point-Vortragenden angekommen. Doch die Lösungen für ein hocheffizientes Lernen könnte heute jeder nutzen: Bilder, Experimente und selbst Erleben statt Frontalunterricht und dem Vorlesen engbeschriebener Folien. Gleichzeitig drängen sich allerdings immer mehr die Kosten des Lernens in den Mittelpunkt. Wie lässt sich Wissen Mitarbeitern oder Kunden, die über ganz Deutschland oder gar weltweit verteilt sind, zugänglich machen? Die Teilnahme an Seminaren und Hausmessen wird häufig als zu teuer angesehen und dann mangels Teilnehmern oft abgesagt. Trainer, die durch die Lande ziehen und in Kleingruppen-Seminaren die Anwender schulen, gibt es nur noch in wenigen Branchen. Und auch interne Schulungseinrichtungen stehen bei vielen Unternehmen auf dem (Kosten-)Prüfstand.

Person balanciert auf Stahlseil
Balance-Akt: Nur im richtigen Lernumfeld geht es voran.

Webinare gehören heute sowohl für Schulungen als auch für die Unternehmenskommunikation zu den durchaus etablierten Instrumenten für die Wissensvermittlung. Ich traue mir kein abschließendes Urteil zu – doch zumindest derzeit verhindern die technischen Schwierigkeiten noch oft einen Lernerfolg. Scheinbar wird auch beim Lernen der Weg in Richtung “mehr (Kosten-)Effizienz durch Online-Tools” gehen. Ein Schlagwort dabei ist MOOC (Massive Open Online Courses, siehe auch “Was ist ein MOOC”). Derzeit stehen die sogenannten xMOOCs zwar vermehrt in der Kritik – doch die Schwachpunkte könnten auch in der inhaltlichen Ausgestaltung von zum Beispiel Online-Vorlesungen begründet sein. Im Zeit-Artikel Maßgeschneiderte Vorlesungen für alle (5.12.2013) beschreibt Dr. Jörg Dräger, Vorstand für Bildung bei der Bertelsmann Stiftung, nicht nur die Zusammenhänge, sondern fordert auch für die digitale Online-Zukunft an den Bildungseinrichtungen POOCs (Personalized Open Online Courses) statt MOOCs.

Netzwerken auch beim Lernen

Weg von den Kosten richtet Karlheiz Pape den Blick, wenn er in seinem Blogpost Corporate Learning – Training und Wissensmanagement cMOOCs beschreibt. Hier steht das “c” für connectivism (Konnektivismus) und stellt die Vernetzung stärker in den Mittelpunkt. Dass der Trend in Richtung Selbststeuerung auch beim Lernen gehen wird, scheint ihm sicher. Und damit wird auch beim Lernen ein Trend entstehen, den wir aus anderen Branchen kennen: Die Selbstbedienung an der Tankstelle und im Supermarkt gehört schon lange zu unserem Leben; der Wandel vom beratenden Fachverkäufer zur Information im Internet ist weitgehend Realität und der Abschied von der Pauschalreise schmerzt derzeit die großen Reisekonzerne.

Gehören die Ansätze der Kommuniaktionstrainer damit auch zum alten Eisen? Ich denke, der Photographie Playground, den Karlheinz Pape in seinem Blogpost Photographie Playground: Interaktive Ausstellung zum Lernen? beschreibt, beweist das Gegenteil. Und er zeigt zugleich, weshalb wir uns auch in der PR immer wieder Gedanken ums Lernen machen sollten. Denn noch findet das Leben unserer Dialoggruppen in der Regel offline statt – und findet bei guten Maßnahmen dann auch wie von selbst den Weg ins #Neuland.

Jens Voshage

  1. Bevor wir hier in eine Parallelwelt abdriften, empfehle ich etwas ganz kurioses: Eine gute Hilfe beim Lernen können Bücher sein. Dabei handelt es sich um lange Textfolgen, nicht zu verwechseln mit Spon-Infohäppchen, Bild-online-Brosamen oder Bloggposts und Wikipedia-Einträgen, die ja zuweilen zu den längeren Textformen im Netz gehören. Bücher zwingen einen über hunderte von Seiten sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Zuweilen sind die Effekte sehr faszinierend, denn es setzt Nach-Denken ein und es kann unter Umständen Erkenntnis stattfinden. Aber vielleicht berichte ja auch ich aus einer Parallelwelt (die schon längst vergangen ist?).
    Thorsten Windus-Dörr

    1. Ich verstehe zwar nicht, was mit Parallelwelt in diesem Zusammenhang gemeint sein könnte, schließlich geht es in den Artikeln um Lernen. Und Lernen ist immer an eine reale Person gebunden, die sich Wissen ganz individuell auf ganz verschiedenen Wegen beschaffen kann. Das geht aus Büchern ebenso, wie aus Online- oder Offline-Dokumenten, Communities, Vorträgen, Seminaren oder sogar Ausstellungen.
      Ich denke wir machen da oft einen falschen Schnitt, wenn es um Lernen geht. Es gibt kein digitales oder analoges Lernen. Das was wir Lernen nennen, ist noch immer der gleiche innere Prozess, der in Menschen irgendwie abläuft – und über den wir aus meiner Sicht nicht wirklich viel wissen. Das müssen wir ja vielleicht auch nicht. Wenn wir Lernen mal als einen so natürlichen Prozess betrachten wie das Atmen oder das Verdauen, dann brauchen wir uns nur noch um die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Menschen kümmern, aber nicht ums Lernen. Das Atmen oder Verdauen leiten wir ja auch nicht an.

      1. Dann sind wir uns ja einig, Herr Pape. Ich wollte nur eine Lanze für eine archaische Lernform brechen. Und die Überlegungen über eine eventuell existierende Parallelwelt überlassen wir der Nachwelt. Oder lesen Pynchons “Versteigerung von Nr. 49” als E-Book.
        Thorsten Windus-Dörr
        PS: Es gibt aber durchaus Kurse für besseres Atmen und Verdauen. Mir scheint, da ist nichts mehr so selbstverständlich gelernt.

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