Netflix, Sky & Amazon Prime - hat das klassische Fernsehen ausgedient?

Netflix, Sky & Amazon Prime – hat das klassische Fernsehen ausgedient?

Laut der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung sei die TV-Nutzung im letzten Jahr unverändert hoch gewesen. Doch wer schaut da regelmäßig Fernsehen und vor allem was? Angeblich würden fast 70 Prozent aller 14- bis 34-jährigen ihre TVs benutzen. Von 223 Minuten pro Tag ist dabei die Rede, das sind mehr als drei Stunden. Auch die Werbeausgaben würden steigen.

Ich blättere langsam durch das neue Fernsehprogramm, umklammere dabei eifrig meinen roten Marker, damit ich mir die Filmhighlights der nächsten Woche raussuchen kann. Nach knapp fünf Minuten lege ich frustriert den Marker und die Zeitschrift zur Seite. Wieder einmal habe ich nur Filme gefunden, die ich bereits schon kannte und Folgen erblickt, die immer und immer wieder wiederholt werden. War das früher genauso? Meinen eigenen Fernseher mache ich nur noch aus Gewohnheit an. Normalerweise nutze ich ihn nur, um DVDs anzuschauen. Ist das Zeitalter des Fernsehers vorbei?

„We love to entertain you” – Wie unterhaltsam ist das Fernsehen noch?

Bei den Mitarbeitern unserer Agentur habe ich einmal genauer nachgehakt und wir sind uns einig: Unser Fernsehverhalten hat sich in den letzten Jahren verändert – generell schauen wir weniger fern, aber gezielter. Vereinzelt schauen wir noch Serien oder Nachrichten, viel lieber greifen wir aber zu DVDs oder zu anderen Formaten. Amazon Prime, Sky, Youtube und Entertain sind zu einem festen Bestandteil unserer Fernsehgewohnheiten geworden. Aber warum ist das so?

Das Internet und die verschiedenen Anbieter bieten viele Vorteile, die dem linearen Fernsehen fehlen:

  • Aktualität
  • Wiederholungen
  • individuelles Programm
  • Werbung
  • Kosten
  • Mobilität

Am meisten enttäuscht sind wir von dem schlechten Fernsehprogramm, es läuft ja doch immer das Gleiche. In punkto Aktualität kann das gute alte Fernsehen nicht mehr mithalten. Free-TV Premieren kommen mit Monaten oder Jahren Verspätung in die deutschen Wohnzimmer. Die alternativen Angebote zeigen neue Filme und Serien viel früher und oft kann zwischen mehreren Sprachen ausgewählt werden.

Wiederholungen laufen nur noch wenn Sie das möchten. Sie entscheiden, wann und wie oft sie Filme sehen. Sie haben die Macht darüber, ihr eigenes Programm zu erstellen und müssen nicht mehr Tage oder Wochen auf Sendezeiten warten. Brauchen Sie eine Pause, oder haben Sie nicht viel Zeit, dann schauen Sie einfach später weiter. Vorspulen geht übrigens auch. Zusätzlich sparen Sie sich die lästigen und vor allem langen Werbeunterbrechungen. Auch die Wirtschaft hat erkannt, dass Werbung im Fernsehen nicht mehr so gut ankommt wie früher. Laut einer PWC-Studie werden die Einnahmen aus Internetwerbung die Erlöse aus Fernsehwerbung bis 2019 übersteigen.

Kostenvorteile bringt das Angebot von Youtube. Viele Filme und Serien gibt es dort kostenlos zu sehen. Ein weiteres Plus ist die Mobilität. Sky, Prime und Netflix sind bequem auf dem Laptop, Tablet und Smartphone verfügbar. Sind Sie einmal nicht zu Hause, müssen Sie nicht auf ihre Lieblingsserien verzichten.

Das Fernsehen bekommt Konkurrenz

Laut einer Studie der Initiative SCHAU HIN! von 2015 hat das Fernsehen für die Hälfte der Jugendlichen einen hohen Stellenwert. 80 Prozent von ihnen würden regelmäßig fernsehen, viele täglich.

Vor dem Fernseher sitzen, die Füße baumeln lassen und Nichtstun – auch in dieser Hinsicht hat sich unser klassisches Fernsehverhalten geändert. Über 60 Prozent der Jugendlichen schauen nicht gezielt Fernsehen, sondern gehen nebenbei noch anderen Tätigkeiten nach. Ob Hausaufgaben oder Hausarbeit – Vieles lässt sich mit dem Fernsehen verbinden.

Wir schauen gerne Filme, gehen auch gerne ins Kino, nur unseren heimischen Fernseher nutzen wir nicht so richtig, obwohl wir alle einen besitzen. Trotz allem ist der Fernseher aber noch nicht aus unseren Wohnzimmern wegzudenken – Youtube kann man ja auch super auf einem 22 Zoll großen TV-Bildschirm nutzen.

Anja Köneke