Asterisk* und die Stadtverwaltung Hannover: Wie war das damals mit dem Gendersternchen?

In einer sehr kurzweiligen Veranstaltung der DPRG-Landesgruppe Niedersachsen im Unternehmerinnen (sic!)-Zentrum Hannover berichtete Professorin Annika Schach über die Einführung des Gendersterns in der hannoverschen Stadtverwaltung.

Obwohl der deutsche Rechtschreibrat noch Ende 2018 darauf verzichtete, das Gendersternchen in den Duden aufzunehmen, preschte die Stadtverwaltung Hannover Anfang 2019 vor und schrieb als erste deutsche Stadt in amtlichen Schreiben geschlechtsneutrale Begriffe vor („Mitarbeitende“ statt „Mitarbeiter“). Sollte das nicht gehen, dann solle das Gendersternchen eingesetzt wwerden („Ingenieur*in“). Und beim Sprechen sollte der Stern durch eine kurze Atempause gekennzeichnet werden.

Seit Januar 2017 ist Annika Schach Professorin für Angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover. Ende 2018 holte der damalige Oberbürgermeister Stefan Schostok die Professorin als Kommunikationschefin ins Rathaus, ein Jahr später, nach dem Rücktritt des OB, verließ Schach die Stadtverwaltung wieder und wechselte am 1. September 2019  zurück zur Hochschule Hannover.

Schach gilt als Expertin für Krisenkommunikation und so gehörte Anfang 2019 die Öffentlichkeitsarbeit zur Einführung des Gendersterns zu ihren Aufgaben:“Viele denken, das sei meine Idee gewesen, aber als ich ins Rathaus kam, war das Projekt schon reif.“

An diesem Abend ging es also nicht um das Pro oder Contra zum Genderstern, das ist schon zur Genüge diskutiert, es ging um die kommunikative Einführung und die Folgen. Die waren dramatisch, kein deutsches Medium, das nicht über das Projekt berichtete, sogar die New York Times schrieb einen Artikel, kein Sternchen-Witz, über den noch nicht gelacht wurde. Mir der Reaktion hatte Schach nicht gerechnet:“Schließlich wurde in Hannover schon seit 20 Jahren gegendert, mit dem Binnen-I“

Alles fing an mit einer Pressemeldung im Januar 2019, beigelegt ein Foto der Kommunikationsabteilung der Stadt  Das würde sie heute schon mal nicht mehr so machen, denn die Kolleginnen wurden mit Kübeln von sprachlichem Unrat in den Sozialen Medien übergossen. Das würde sie heute auch rechtlich verfolgen.

Nach der ersten Welle massiver Kritik wurden Veranstaltungen organisiert, in denen Wissenschaftler als Fürsprecher fungierten; über 100 Anfragen wurden persönlich beantwortet. Über vier Monate verlief die Kommunikation wellenförmig, „gerade crossmediale Kommunikation befeuerte sich wechselseitig“, so Schach.

Aus heutiger Sicht glaubt die Professorin, dass das Thema Hannovers Image positiv beeinflusst hat, Anerkennung kam vor allem aus anderen Städten und Kommunen, die vorbei kamen, um sich zu informieren, Kiel führt gerade einen Genderprozess ein. 60:40 gegen das Sternchen schätzt sie die Stimmung in Hannover und der hannverschen Verwaltung derzeit ein, aber: „In fünf Jahren wird das Genderthema ganz normal sein und keiner mehr drüber reden“, prognostiziert sie

Thorsten Windus-Dörr

* der Asterisk, das Sternchen, ist ursprünglich ein Hinweis auf eine Fußnote.