Update – Innenstädte in Zeiten von Corona: Hildesheim

Nicht mehr so ausgestorben: Der Hildesheimer Marktplatz

Im März habe ich bereits über die Lage in der schönen Hildesheimer Innenstadt berichtet – sie war leider nicht ganz so schön wie sonst. Corona hatte definitiv seine Spuren hinterlassen: Alles war verrammelt, wir haben um unsere Cafés gebangt und immer mehr leerstehende Ladenzeilen entdeckt. Jetzt, nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen, lohnt sich ein zweiter Blick auf die Stadt: Wie sieht’s aus, Hildesheim?

Hildesheim lebt

Bereits nach den ersten Lockerungen und der Wiedereröffnung des Einzelhandels war die Begeisterung der Menschen deutlich zu sehen – an den langen Schlangen vor diversen Modegeschäften. Mittlerweile sind die Schlangen verschwunden, was aber eher an den weiteren Lockerungen der Maßnahmen liegen wird. Mit der Öffnung der Gastronomie ist auch der Hildesheimer Marktplatz wieder gut belebt. Man bekommt fast den Eindruck, es sei viel mehr los als vor der Pandemie, da die Tische mit genügend Abstand weiter auf dem Platz stehen, als gewohnt. Zwar war auch zu Pandemiezeiten mittwochs und samstags auf dem Markt immer etwas los, aber jetzt ist der Platz endlich wieder Mittelpunkt des Stadtgeschehens.

Endlich wieder frühstücken gehen

Nach anfänglicher Sorge, ob eines der Hildesheimer Cafés die Krise nicht überstanden haben könnte, kam nun die Erleichterung: Es scheinen alle geschafft zu haben! Nach anfänglicher Zurückhaltung sind auch die Letzten wieder geöffnet – und plötzlich weiß man gar nicht mehr, in welches der schönen Cafés man zuerst gehen möchte. Während einige ganz aus dem Winterschlaf erwacht sind, haben andere wie Coffee and Beans und das Black Apron neben dem To-go-Verkauf nun auch wieder ihre Sitzplätze geöffnet. Das Le Garçon wiederum hat die dunkle Jahreszeit zum Renovieren genutzt und nun in frischem Glanz wieder geöffnet. Es ist ein sehr schönes Gefühl, durch die Stadt zu schlendern und die Leute glücklich mit ihrem Cappuccino und einem Stück Kuchen in der Sonne sitzen zu sehen.

Strandfeeling und Kultur

Nachdem der Weihnachtsmarkt, das Weinfest und vieles mehr ausfallen musste, ist seit Ende Juni bis zum 22. August der City-Beach auf dem Platz an der Lilie hinter dem Rathaus geöffnet. Bei einem kühlen Getränk und etwas zu essen kann man sich hier auf den Liegestühlen im Sand entspannen, oder sich auf dem Kunstrasen an die Tische bei Biergarten-Atmosphäre setzen. Abends gibt es dort außerdem Live-Programm.

Auch das Theater für Niedersachsen hat sich in Hildesheim etwas einfallen lassen, um die Veranstaltungen wieder anlaufen zu lassen: Auf der Jo-Wiese am Hohnsensee gibt es zurzeit ein Freilicht-Theater. Die Stücke werden somit nicht im geschlossenen Raum aufgeführt, wodurch für den Theaterbesuch momentan weder ein Coronatest nötig ist, noch muss man am eigenen Platz eine Maske tragen. Auch das Wetter kann den Aufführungen keinen Strich durch die Rechnung machen, denn die Stücke werden auch bei Regen aufgeführt – wir sind ja bekanntlich nicht aus Zucker.

Das Nachtleben läuft langsam wieder an

Auch wenn es noch keine Partys gibt, so ist die Friesenstraße, Hildesheims „Kneipenviertel“, wieder belebt. Vor allem am Wochenende und für die Fußballspiele der EM war hier sehr viel los – besonders die Studierenden hatten auf diesen Moment augenscheinlich nur gewartet. Aus dem Brazil ist das Ohana geworden, ansonsten scheint auch hier Corona kaum seine Spuren hinterlassen zu haben. Wann die Partys zurück sind, lässt sich momentan nur spekulieren, spätestens die Einführungswoche ins neue Semester im Oktober lässt die Studierenden der Stadt aber hoffen – zumindest, wenn die Coronazahlen stimmen.

Mit Pop-Up-Stores gegen Leerstände

In den letzten Wochen hat sich auch in der Fußgängerzone etwas getan: Diverse leerstehende Ladenzeilen sind nun zum Raum für Pop-Up-Stores geworden. Auf der einen Seite haben Studierendengruppen Räume für eigene Projekte angemietet, in denen Ideen entwickelt und Kunstprojekte erstellt und ausgestellt werden. Auf der anderen Seite sind neue Geschäfte entstanden. So gibt es mitten in der Stadt gleich drei neue Läden direkt nebeneinander: Ein Mode-Outlet, ein Weinladen und ein Pop-Up-Store mit getrockneten Blumen und Pflanzen. Ein tolles Konzept, das kleineren Ideen Raum und die Möglichkeit gibt, ihre Produkte auszustellen und zu verkaufen.

Getrocknete Blumen neben Wein und Mode: Es gibt Neues zu sehen in der Fußgängerzone

Was sonst noch zu berichten ist

Wir erinnern uns ebenfalls an das Schwimmbad, das den ganzen Lockdown im Umbau steckte: Da steckt es zwar immer noch, allerdings hat sich auf der Baustelle einiges getan. Man kann also zuversichtlich sein, bald im neuen Becken seine Runden drehen zu dürfen. Außerdem ist das Intercity-Hotel gleich neben dem Hauptbahnhof fertig gestellt worden und empfängt nun schon seit einiger Zeit seine Gäste. Was das Stadtbild nun ebenfalls prägt: Diverse kleine Schnelltest-Zentren. Zwar braucht man in Hildesheim momentan kaum mehr einen negativen Test, um am öffentlichen Leben teilzunehmen, aber wer auf Nummer sicher gehen möchte, hat zum Testen mittlerweile die Auswahl.

Es ist also wieder losgegangen, das Leben in Hildesheim. Corona hat im Stadtbild zum Glück nur bedingt seine Spuren hinterlassen – zumindest aber Raum für kreative Ideen geschaffen. Bleibt nur für uns alle zu hoffen, dass wir in Zukunft nicht wieder auf unsere Kultur, Gastronomie und Freizeit verzichten müssen.

Svenja Stolpe

Hier geht’s zum ersten Artikel über die Hildesheimer Innenstadt in Zeiten von Corona

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