Aus unseren Projekten: Einsatz von Infografik und Lernlandkarten in der Krisenkommunikation

Die Infografik, die die verschiedenen Variante und Alternativen zur geplanten Abdeckung der Kalihalde in Ronnenberg auflistet. In vereinfachter Form wird vermittelt, worin sich diese zwölf Varianten [1A] bis [8] unterscheiden. Es gibt drei grundsätzliche Vorgehensweisen: 1. Halde wird nicht verändert, 2. Halde wird abgedeckt, 3. Halde wird (ganz oder teilweise) abgebrochen.

Krisen – kein Unternehmen ist vor ihnen sicher. Aber manche scheitern an ihnen, manche nutzen sie als Gelegenheit zum Wachstum. Durch die richtige Strategie können viele Herausforderungen gemeistert oder sogar umschifft werden, ohne dass es zu einer wirtschaftlichen Vollkatastrophe kommen muss. Eins A ist gerade an einem solchen Prozess im Rahmen des Krisenmanagements beteiligt und berät und unterstützt einen Kunden bei der Krisenkommunikation. Was genau diese beinhaltet und wie eine simple Infografik bei uns zu einem mächtigen Instrument werden kann, erzählen wir hier.

Was ist eine Krise eigentlich?

Krisen sind plötzliche, nicht erwartete und schwer zu bewältigende Ereignisse oder Entwicklungen, die (Wirtschafts-) Organisationen unvorbereitet treffen, eine schwerwiegende Beeinträchtigung bisheriger Lebensvollzüge, Prozesse oder Zielerreichungen bedeuten und dadurch kurz-oder langfristig stark einschränkenden oder sogar existenzbedrohenden Charakter haben können.

Soweit die trockene Definition aus dem Lehrbuch. Eines der wohl bekanntesten Beispiele für eine Unternehmenskrise sind wohl die Manipulationsvorwürfe rund um den Abgasskandal, mit denen VW sich in den letzten Jahren konfrontiert sah.

Was kann ein Unternehmen nun tun, um eine Krise zu bewältigen? Es betreibt Krisenmanagement. Gutes Krisenmanagement ist in modernen demokratischen Systemen vor allem eine Kommunikationsaufgabe. Krisenkommunikation zielt darauf ab, die Auswirkungen der Schwierigkeiten so gering wie möglich zu halten. Dazu muss viel erklärt und besprochen werden.

Ein wichtiges Ziel der Krisenkommunikation ist der Wiedergewinn von Vertrauen, welches die Kunden oder auch die Öffentlichkeit zuvor verloren haben. Dabei soll gezielt über die Krise informiert werden, ohne dass die Zielgruppen weiteres Vertrauen in die Organisation verlieren.

Verschiedenste Maßnahmen können hierbei ergriffen werden, wie etwa die Einrichtung eines Krisenstabes, die Anpassung des Führungsverhaltens wie z.B. durch eine Intensivierung der regelmäßigen Statusbesprechungen, sowie interne bzw. externe Kommunikationsmaßnahmen. So soll das Unternehmen der Erwartungshaltung der verschiedenen Ansprechgruppen gerecht werden.

Unser Krisen-Fall

Wir berichteten letztens schon in unserem Blog von der Nachbarschaftssprechstunde. Diese organisierten wir ebenfalls im Rahmen einer krisenkommunikativen Maßnahme für dasselbe Unternehmen. Worum ging es hier aber noch einmal?

Kurz zusammengefasst: In Ronnenberg in der Region Hannover ist die Kalihalde Albert zum Streitpunkt geworden, an der sich die Krise entzündete. Gegen die geplante Abdeckung und Begrünung, welche durch das Land Niedersachsen unterstützt wird, gründete sich im November 2018 eine Bürgerinitiative, die gegen die geplante Abdeckung und Begrünung der Halde protestiert. Unter anderem wurde der Firma Menke vorgeworfen, unter dem Deckmantel der Rekultivierung einen Deponiebetrieb für nicht verwert- und recyclebaren Bauschutt mit einer möglichen Schadstoffbelastung vorantreiben zu wollen.

Als eine Maßnahme, dieser Krise Herr zu boten, rieten wir dem Unternehmen dazu, einen persönlichen Dialograum mit den Bürgern zu schaffen, um überhaupt erst einmal wieder einen vertrauensvollen Dialog zu ermöglichen.

Als weitere Maßnahme schlugen wir etwas vor, was zunächst vielleicht etwas kontraintuitiv erscheint: und zwar eine Infografik.

Warum ausgerechnet eine Infografik?

Seit mehreren Monaten treffen sich bereits Vertreter aller Parteien (das Unternehmen, die Politik, die Bürgerinitiative und die entsprechenden Fachleute vom LBEG, dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie und versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden. Im Rahmen dessen wurde eine umfangreiche und komplexe Matrix entworfen, welche verschiedene Alternativen zur ursprünglich geplanten Begrünung sowie deren Bewertung abbildet. Aufgrund der Komplexität eignete sich diese Matrix allerdings wenig, um sie als sinnvolles Instrument in der Krisenkommunikation einzusetzen.

Also suchten wir nach einem Weg, diese verständlich auch für die Nicht-Mitglieder des Runden Tisches darzustellen, um die Öffentlichkeit so gut es geht in den Dialogprozess mit Politik und Bürgerinitiative einzubinden. Wir einigten uns auf eine graphische Darstellung zur Visualisierung der Daten in Form einer Inforgrafik oder auch Lernlandkarte. Da unser Geschäftsführer Thorsten Windus-Dörr bereits während seiner Zeit bei der Tui positive Erfahrungen mit einem derartigen Kommunikationsinstrument gemacht hatte, konnte er diese mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

Lernlandkarten, Root Maps, Root Learning

Die in der Überschrift verwendete Bezeichnung „Infografik“ ist hierbei allerdings nicht ganz korrekt, das müssen wir korrigieren: Vielmehr handelt es sich um eine Lernlandkarte. Der englische Begriff der unter Fachleuten verwendet wird ist Root Map oder Root Learning. Zwar sind Lernlandkarten eigentlich ein europäisches Konzept, es war jedoch der Amerikaner Randall Root, der in den 1980er-Jahren auf diese Art der visuellen Kommunikation aufmerksam wurde. Extrem sensible in- oder externe strategische Inhalte und Daten können mit dieser Methode visualisiert und erfasst werden und kommunizieren die strategischen Ziele und Absichten des Unternehmens. Sie dienen dazu, einen Blick für das „Ganze“ zu schaffen und können Prozesse, Abläufe, Lieferketten, Geldströme, Wertschöpfungsketten, Qualitätsinitiativen sowie sämtliche Ideen und Konzepte interaktiv und mit einem hohen Akzeptanzgrad vermitteln. Fast immer stehen sie dabei in Zusammenhang mit großen Veränderungsprojekten. Häufig erzählen sie sogar fast eine Art Geschichte, die sich die Betrachter selbst erarbeiten.

Bisher ist diese Methode in Deutschland fast unbekannt (viele werden Lernlandkarten wohl eher aus einem pädagogischen Kontext kennen), was auch daran liegt, das solche Karten hier zu Lande oftmals firmenintern zur Kommunikation extrem sensibler Daten und Inhalte verwendet wurden, die nur selten außerhalb des Unternehmens kursieren. Entsprechend wenig Berichterstattung und Literatur gibt es bisher dazu. In Deutschland wurde Root Learning von Audi bei der Einführung des A2 eingesetzt und Tui nutzte es bei Roadshows zur Implementierung der neuen Dachmarke World-of-Tui.

In unserem Fall haben wir unsere Grafik dazu verwendet, den komplexen Sachverhalt der potentiellen Alternativen rund um die Abdeckung zur Halde Ronnenberg so prägnant und transparent wie möglich zu visualisieren, um das Verstehen für den Betrachter zu erleichtern.

In unserer Grafik (für die Abbildung siehe oben) sieht man die zwölf Varianten zum Umgang mit der Halde Ronnenberg dargestellt, in vereinfachter Form wird vermittelt, worin sich diese zwölf Varianten [1A] bis [8] unterscheiden. Es gibt drei grundsätzliche Vorgehensweisen: 1. Halde wird nicht verändert, 2. Halde wird abgedeckt, 3. Halde wird (ganz oder teilweise) abgebrochen.

Seit Anfang Dezember ist die Infografik für alle frei zugänglich auf der Website des Unternehmens Menke zur Kalihalde Ronnenberg: https://menke-ronnenberg.de/

Anna Spielvogel

Weiterführende Blogartikel

Hier geht’s zum Blogartikel über die Nachbarschaftssprechstunde: https://www.einsakommunikation.de/blog/index.php/2020/11/17/eins-a-organisiert-erste-virtuelle-nachbarschaftssprechstunde/

Hier geht’s zum Blogartikel zum Issue-Management: https://www.einsakommunikation.de/blog/index.php/2020/05/14/buzzwords-entsummt-issues-management/

Fachliteratur zum Thema Krisenkommunikation und Root Learning:

Zum Einsatz von Lernlandkarten in Unternehmen: http://compliance.management/compliance/wp-content/uploads/2019/01/Lernlandkarten_Bachmann_Wolters-Kluwer-Artikel.pdf

Außerdem:

Salewski, W., & Köhler, F. (2005). Krisenmanagement. In D. Frey, L. von Rosenstiel, & C. Graf Hoyos (Hrsg.),Wirtschaftspsychologie (S. 214-219). Weinheim: Beltz.

Fichter,C., Basel,J.&Keller,S. (2018).Organisation. InC. Fichter (Hrsg.), Wirtschaftspsychologie für Bachelor(S. 163-192). Berlin: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54944-5_8

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