DPRG-Ehrenrat? Was ist das eigentlich?

Die Aufgabe des DPRG-Ehrenrates ist es, Ärger zu vermeiden.

Anlässlich des Wahl von Herrn Windus-Dörr in das Ehrenamt des Ehrenrates der DPRG hatte ich heute die Möglichkeit, ihn nach seiner dortigen Tätigkeit zu befragen:

Sie wurden für die nächste Amtsperiode als Mitglied in den DPRG-Ehrenrat gewählt. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch. Was genau kann man sich denn unter der Arbeit des Ehrenrates innerhalb der DPRG vorstellen?

Der Ehrenrat ist ein Gremium, das dann zur Tat schreitet, wenn es zum Beispiel Streitigkeiten zwischen zwei oder mehreren Mitgliedern oder zwischen zwei Landesgruppen gibt. Oder wenn zum Beispiel ein Mitglied ein anderes beleidigt hat und man diesen entstandenen Konflikt lösen möchte. Tatsächlich wurde und wird der Ehrenrat auch dann zu Rate gezogen, wenn ein Mitglied in Deutschland dem Verband aktiv geschadet hat oder schaden will und das entweder geahndet oder abgemildert werden soll. Der Ehrenrat ist auch schon mal in Kraft getreten, als ein Funktionär der DPRG in die Kasse gegriffen hatte. Es handelt sich also vor allem um verbandsinterne Dinge, die wir gerne lösen und regulieren wollen, ohne dass ein Anwalt eingeschaltet oder rechtliche Schritte gegangen werden müssen.

Also könnte man davon sprechen, dass sich bei der Arbeit der Ehrenrates viel um Kommunikation und Vermittlung innerhalb des eigenen Berufsverbandes dreht?

Genau, richtig. Es soll Schaden vom Berufsverband selbst abgewendet werden und die Konflikte nach Möglichkeit aus der Öffentlichkeit herausgehalten werden.

Was hat Sie denn persönlich dazu motiviert, eine Position innerhalb des Ehrenrates anzunehmen?

Zunächst: für eine Position im Ehrenrat kann man sich nicht bewerben, sondern man wird vorgeschlagen. Es werden meistens diejenigen ausgewählt, die bereits lange Mitglied im Verband sind, beziehungsweise Mitglieder, die bereits Funktionen innerhalb des Verbandes in der Vergangenheit ausgeübt haben. Solche Mitglieder kennen sich eben in den Strukturen des Verbandes gut aus. Ich bin zum Beispiel seit 1995 Mitglied in der DPRG, war neun Jahre lang Landesgruppenvorsitzender der Landesgruppe Niedersachen und Anfang der 2000er Jahre drei Jahre im Bundesvorstand. Man hat mich dann gebeten, in den Ehrenrat zu gehen. Das habe ich dann auch gemacht. Also bin ich jetzt bereits zum zweiten Mal wiedergewählt worden.

Das heißt, Sie haben schon ein bisschen Expertise und Erfahrung sammeln können?

Ja. Das ein oder andere ist schon vorgekommen.

Was war denn ein ganz konkretes Beispiel, als Sie als Ehrenrat einmal eingreifen mussten?

Natürlich darf ich eigentlich nichts erzählen. Aber es gibt zwei Fälle, die ich immer als Beispiel heranziehe, da sie schon jahrelang her sind und die ich auch genug verfremdet habe. Wir hatten vor etlichen Jahren einen wirklich unangenehmen Fall: ein ehemaliger Funktionär der DPRP hatte Gelder veruntreut, eine nicht unbeträchtliche Summe. Wir wollten keine rechtlichen Schritte eingehen, wir wollten aber wenigstens einen Teil der Summe für den Verband zurückbekommen. Dieser Fall hat uns ein ganzes Jahr beschäftigt. Wir haben es dann aber letztendlich hinbekommen.

Der andere Fall steht im Zusammenhang mit dem Diebstahl des goldenen Leibniz-Keks von Bahlsen. Damals wurde daraus eine zugegeben auch wirklich originelle Heldengeschichte gemacht, der oder die Täter sogar als „Krümelmonster“ bezeichnet. Der Keks wurde zum Schluss ja auch zurückgegeben. Allerdings veröffentlichte kurz darauf eine Agentur aus Deutschland ein Stellenangebot, indem sie sinngemäß forderten, dass sie gerne hätten: „dass der oder die Täter aufgrund ihrer Kreativität und Motiviertheit sich bei uns als Volontär bewerben.“ Diese Agentur war Mitglied in der DPRG und obwohl wir die Sache schon  originell fanden, handelte es sich dabei nichtsdestotrotz um eine Straftat. Wir können als Verband aber keine Straftat gutheißen. Wir sind also auf die Agentur zugegangen und haben versucht, das zu klären. Leider gab es wenig Einsicht.

Das klingt jetzt erst einmal so als würden die Entscheidungen, die sie treffen, auf bestimmten Richt- oder Leitlinien basieren. Was genau ziehen Sie denn als Entscheidungsgrundlage heran?

Leider gibt es solche Leit- und Richtlinien nicht. Natürlich gibt es die Statuten der DPRG, aber dort steht wenig über solche Dinge. Wir müssen uns natürlich im Rahmen der deutschen Gesetzgebung bewegen, weshalb wir auch den eben erklärten Fall im Zusammenhang mit dem Diebstahl des Bahlsen-Kekses nicht gutheißen konnten. Das sind die einzigen Dinge, an denen wir uns entlang hangeln können. Das ist tatsächlich immer ein Problem, das der Ehrenrat hat: es fehlt eine Vorgabe. So kommt es, dass wir manchmal eben aus dem Bauch heraus entscheiden müssen. Häufig diskutieren wir dann und kommen zu einer gemeinsamen Lösung.

Dieses Ehrenamt klingt nach einer recht zeitaufwendigen Tätigkeit. Sie sind ja nun auch noch Geschäftsführer einer PR-Agentur aus Hannover und haben dieses Ehrenamt trotzdem auch noch zusätzlich übernommen?

Es hält sich in Grenzen. Im letzten Jahr hatten wir insgesamt zwei Fälle. Ich selbst bin der Stellvertreter des Leiters des Ehrenrates, Manfred Piwinger. Für uns bedeutete das auf das Jahr gerechnet einige Telefonate. Im letzten Jahr musste sich der Ehrenrat allerdings einmal physisch in Köln treffen und gemeinsam über einen etwas schwierigeren Fall diskutieren. Im vorletzten Jahr war es etwas weniger.

Sie erwähnten gerade noch Telefongespräche. Das heißt, wenn Ihnen etwas gemeldet wird, dann geschieht das erst einmal telefonisch?

Ganz unterschiedlich. Zunächst gibt es Sachen, die uns als Ehrenrat selbst auffallen, wie die Geschichte mit der Agentur und dem Bahlsen-Keks. Manchmal melden auch Mitarbeiter oder Mitglieder im Verband Dinge, die aus ihrer Sicht schief gelaufen sind. Manchmal kommt es auch vor, dass wir von der Öffentlichkeit auf etwas aufmerksam gemacht werden.

Was liegt Ihnen denn bei der Ausübung Ihres Ehrenamtes besonders am Herzen?

Mir, und auch den anderen Mitgliedern des Ehrenrates ist es wichtig, das Ansehen des Verbandes zu schützen und auch nach Möglichkeit den Rechtsweg zu vermeiden.

Gibt es denn eine Botschaft, die Sie allen PR-Interessierten oder allen schon im Bereich der PR-Beschäftigten für Ihre weitere Tätigkeit gerne mitgeben würden?

Redet miteinander um Konflikte aufzulösen. Und redet nicht übereinander. Das ist nämlich meist der Grund, warum es zu Konflikten kommt.

Herr Windus-Dörr, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Anna Spielvogel (as)