Wie sich die Umstellung der Uhren auf uns auswirkt und welchen Sinn es in der heutigen Zeit noch hat

Frühjahrsmüdigkeit oder Winterschlaf? Zweimal im Jahr stellen wir im ganzen Land die Uhren um. In der Nacht zum 25.Oktober ist es wieder so weit. Wir stellen die Uhr eine Stunde zurück, auf die Winterzeit.
Foto: Michelle Drescher

Erinnert ihr euch noch an die Umfrage der EU-Kommission zur Abschaffung der Zeitumstellung und was für eine Diskussion damit verbunden war? Bis heute kann sich die EU nicht darauf einigen, ob zukünftig die Sommer- oder die Winterzeit gelten soll. Doch was bedeutet eigentlich Winter- und Sommerzeit und woher kommt es? Antworten auf diese Fragen und noch viele mehr haben wir in diesem Blog zusammengefasst.

Eigentlich stellen wir die Uhren um, nicht die Zeit!

Jedes Jahr am letzten Sonntag im März gerät der Biorhythmus des Menschen bereits das erste Mal im Jahr durcheinander. Es heißt dann eine Stunde schneller zu schlafen, da uns eine Stunde “geklaut” wird. Wir stellen die Uhr von zwei Uhr auf drei Uhr vor. Der Tag wird somit um eine Stunde gekürzt. Viele Menschen fühlen sich in den Tagen darauf müde, angeschlagen und eventuell auch gereizt. Das Gefühl eines Mini-Jetlags stellt sich ein. Damit beginnt die Sommerzeit. In dieser Zeit wird es später hell und abends später dunkel, gemütliches Beisammensitzen mit Freunden auf der Terrasse, mit leckerem Essen vom Grill wird möglich. Die Sommerzeit endet erst am letzten Sonntag im Oktober, wenn wir die Uhr auf die Normalzeit, für viele bekannt als Winterzeit, umstellen. In dieser Zeit hingegen beginnt der Morgen für die meisten Menschen in Dunkelheit und die Sonne geht früher unter, meist schon um 17 Uhr. Viele nutzen die Winterzeit dann eher dazu, es sich drinnen gemütlich zu machen. Es hängt damit zusammen, dass wir Ende Oktober die Uhren um drei Uhr eine Stunde zurückstellen und somit die Nacht um eine Stunde verlängern. Welche Auswirkungen dies auf die Gesundheit der Menschen hat lässt sich im Hinblick auf den Biorhythmus des Menschen erklären.

Biorhythmus des Menschen – wie ticken wir wirklich?!

Lange Zeit lag es in der Natur des Menschen, den Alltag nach den Sonnenstunden und der Dunkelzeit auszurichten – den natürlichen Zeitgebern für den Biorhythmus des Menschen. In der Zeit, in der die Sonne scheint oder es allgemein hell ist, sind die Menschen produktiver und leistungsfähiger. Wenn es auf den Abend und damit auf die Dunkelheit zugeht gerät der Körper des Menschen hingegen in ein Leistungstief und eine Ruhephase stellt sich ein. Somit bestimmen die natürlichen Lichteinflüsse unsere innere Uhr, welche wiederrum unseren täglichen Alltag bestimmt. In der heutigen Zeit richten sich die Menschen allerdings immer seltener nach ihrer inneren Uhr, viel mehr bestimmt das soziale Leben und die Arbeit den Tagesablauf der Menschen. Auch die Zeitumstellung erledigt ihr übriges. Der zweimalige Zeitwechsel im Jahr bringt den Biorhythmus den Menschen komplett durcheinander. Störungen im natürlichen Gleichgewicht können zu einer Verschlechterung der Aufmerksamkeit sowie der Konzentration führen und damit einfache Fehler oder im schlimmsten Fall schwere Unfälle begünstigen. Daneben wirkt sich ein möglicher Schlafmangel und Stress auf die Stimmung der Menschen aus, sie werden unzufrieden. Wirtschaftswissenschaftler der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben herausgefunden, wie sich die Zeitumstellung auf die Zufriedenheit der Menschen auswirkt.

Die Studie „Using the Life satisfaction approach to value daylight savings time transitions. Evidence from Britain and Germany“ findet ihr unter: https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.499075.de/diw_sp0744.pdf.

Kurze Entwicklungsgeschichte der Zeitumstellung – Gründe und Verbreitung

Auch ein kleiner geschichtlicher Hintergrund zur Zeitumstellung soll hier nicht fehlen. Vielleicht bringt er in der derzeitigen Debatte ein wenig Licht ins Dunkel.

Warum die Sommerzeit eingeführt wurde und welchen Hintergrund die Zeitumstellung hat, erscheint angesichts des Chaos in der Zeitgeschichte nicht immer ganz deutlich. War es in Kriegszeiten die optimale Ausnutzung des Sonnenlichts für die Rüstungsindustrie und die Landwirtschaft, die zur Einführung der Sommerzeit führte? Oder lag es an dem Gedanken des Energiesparens, hervorgerufen durch die Ölkrise in den 1970er Jahren und dem Druck durch die anderen europäischen Staaten?

Erste Gedanken zur Zeitumstellung stellte Benjamin Franklin bereits im Jahre 1784 an, damals noch um auf die Verschwendung von Kerzen aufmerksam zu machen und das Sonnenlicht besser auszunutzen. Mit der Zeit gewann dann die einheitliche Zeitrechnung immer mehr an Bedeutung. So wurde 1884 erstmals eine Vereinheitlichung der Zeit angestrebt, indem in Washington D.C. die Welt in 24 Zeitzonen eingeteilt wurde. 1893 wurde im Deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) eingeführt, die auch noch bis heute Bestand hat. Offiziell eingeführt wurde die Sommerzeit jedoch erstmals im Laufe des ersten Weltkrieges 1916 und wurde danach im Chaos der beiden Weltkriege mehrmals wieder aufgehoben und neu eingeführt. Der Höhepunkt des Zeitchaos wurde in Deutschland insbesondere am Ende des Weltkrieges 1945 erreicht, als die gesetzliche Zeit von den verschiedenen Besatzungsmächten festgelegt wurde. Erst 1980 konnte Deutschland sich dazu durchdringen die Sommerzeit endgültig einzuführen. Seit 1996 sind die unterschiedlichen Sommerzeitenregelungen in der europäischen Union einheitlich.

Die Umfrage der EU-Kommission zur Zeitumstellung

Angesichts dieser bereits in der Geschichte aufgetretenen Schwierigkeiten, die die Zeitumstellung mit sich brachte und den gesundheitlichen Folgen für die Menschen, ist es meiner Ansicht nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen für eine Abschaffung der Zeitumstellung sind. Dies zeigte bereits die Umfrage der EU-Kommission von 2018 zur Abschaffung der Zeitumstellung, an der sich rund 4,6 Millionen Menschen aus den Staaten der europäischen Union beteiligten. Zwei Drittel der Teilnehmer kamen dabei aus Deutschland. Diese Umfrage gilt als erfolgreichste Kommissions-Umfrage in der Geschichte der Europäischen Union.

Was würdet ihr sagen: Lieber Winter- oder Sommerzeit? Darüber hinaus: Das Beste kommt zum Schluss. Bis zum endgültigen Endschluss der EU haben wir hier noch einen kleinen Merkspruch für die Zeitumstellung für euch.

Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür.
Im Herbst stellt man sie wieder zurück in den Schuppen.

Oder wie es im Englischen heißt: Spring forward, fall back!

Weiterführende Links:

Ergebnisse der EU-Befragung zur Abschaffung der Zeitumstellung:
https://ec.europa.eu/germany/news/20180831-konsultation-sommerzeit_de

Interview mit Daniel Kühnle vom Lehrstuhl für Statistik und empirische Wissenschaftsforschung der FAU von 2015/16:
https://www.fau.de/2015/03/news/nachgefragt/zeitumstellung-senkt-lebenszufriedenheit/

Für alle Interessierten. Ein kurzer Exkurs über die Zeitumstellung in anderen Ländern:
http://www.zeitumstellung.de/zeitumstellung-international.html

Michelle Drescher (md)