Mehr Mut! Neue Ideen und Konzepte ausprobieren!! – Veranstaltungen trotz Corona

Vor Corona war mehr los…

(veröffentlicht am 12.10.2020, aktualisiert am 13.10. und 16.10.2020) Anfang September hatte der hannoversche Regionspräsident Jagau  beim „Veranstaltungsgipfel“, einer Diskussion des Gaststättenverbandes Dehoga, dazu aufgerufen, dass die Veranstaltungsbranche in der Corona-Krise mehr Mut beweisen und neue Konzepte und Ideen ausprobieren müsse.

Wir haben uns mal umgeschaut und einige solcher Ideen zusammengetragen. Und wir sammeln weiter!

Messe? Läuft!

Vom 17. Bis 25. Oktober findet auf dem hannoverschen Messegelände die Infa unter Coronabedingungen statt. Vom Programm her bleibt weitgehend alles wie gewohnt, das im Sommer genehmigte Sicherheitskonzept ist allerdings umfangreich,

Etwa 500 Aussteller sind dabei, das entspricht einem Drittel einer „normalen“ Infa. Tickets gibt es nur im Vorverkauf, bis zu 9.000 Besucher dürfen gleichzeitig auf das Gelände. An den beiden Wochenenden gibt es Zeitfenster von 10-14 und von 15 – 19 Uhr, an deren Ende die Besucher das Gelände verlassen müssen. In den Hallen und auf dem Außengelände herrscht Maskenpflicht; 130 Helferinnen und Helfer zusätzlich sind im Einsatz, um den sicheren Verlauf zu überwachen. Carola Schwennsen von Fachausstellungen Heckmann spricht gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung von einem guten Vorverkauf. Ein wirtschaftlicher Erfolg sei allerdings schwer. Es gehe darum, dass die Aussteller zufrieden sind und die Besucher sagen, dass es sich gelohnt habe.

Klassik reduziert

Die Abstandsregeln machen es Opernhäusern schwierig, Stücke in der gewohnten Form aufzuführen. Der Orchestergraben beispielsweise ist zu klein, um die vom Komponisten ursprünglich geforderten Musiker coronakonform beherbergen zu können. Deshalb werden gerne kleinformatige Stücke gespielt, das Orchester sitzt mit auf der Bühne  oder es werden Stücke neu arrangiert, damit man mit weniger Musikern auskommt. So geschehen am Staatstheater Braunschweig, dort hat man ein historisches Arrangement von Beethovens „Fidelio“ ausgegraben, eine Fassung nur für Bläser, ohne Streicher. Einzelne Personen werden nur per Video eingespielt und der Chor kommt von der Konserve.

Die Staatsoper Hannover wagte sich gar an Wagner. Seine Opern sind zu Coronazeiten eigentlich unspielbar, zu viel Orchester, zu viele Schauspieler, zu lang. Hier wurde „Tristan und Isolde“ von fünf auf knapp drei Stunden Dauer reduziert, die Orchestrierung drastisch heruntergefahren, was aber nicht auffällt, weil das neue Arrangement auf ein riesiges dynamisches Spektrum setzt; immerhin, dem Kritiker der Heimatzeitung hat es gefallen.

Die Staatsoper Hannover inszeniert auch gerade die „Kochoper“ des Komponisten Moritz Eggert. Ohne Gesang. Die Oper wird rein instrumental, pantomimisch, und ohne Mitmacheffekte gespielt.

Ebenfalls in Hannover wurde im NDR-Sendesaal das Pro-Musica-Benefizkonzert für „Live Music Now“ aufgeführt. Dabei wurde in Kauf genommen, dass die Akustik im nur halb gefüllten Sendesaal unausgewogener war als sonst. Die Solistin spielte auf einem weißen Tuch. In Corona-Zeiten lassen Blechbläser nämlich nicht mehr das Kondenswasser auf den Boden tropfen, das sich aus ihrer Atemluft bildet.

Disco im Escape-Room

„Rockhouse“-Betreiber Holger Schön hat in seiner hannoverschen Diskothek mehrere ehemalige Escape-Räume zu Partyzimmern umgestaltet. Eng abgestimmt mit dem Gesundheitsamt können hier bis zu zehn Personen coronakonform feiern: Zwei DJs legen von 23 bis 4 Uhr früh auf, die Mitglieder der einzelnen Gruppen werden mit farbigen Armbändern markiert, damit sich die Kohorten nicht durchmischen, für Getränke kommt alle zehn Minuten eine Servicekraft vorbei, wer auf Toilette muss, wird einzeln abgeholt. „Wirtschaftlich rechnet sich das nicht. Aber ich wollte etwas ausprobieren“, sagt der Betreiber Schön. Die Nachfrage ist auf jeden Fall da.

https://rockhouse.de/

Kultursommer Summarum

Auf Initiative der Shakespeare Company haben sich verschiedene Akteure der Bremer Kulturszene zusammengetan und den Kultursommer Summarum organisiert. Ab dem 18. Juni wurden Veranstaltungen von Theater über Musik bis zu Clownerie abgehalten. 

Die Veranstaltungen fanden draußen an verschiedenen Orten wie dem Bürgerpark oder dem Amtsgarten Lilienthal statt. Vom 1. Juli bis zum 30. August fanden von Dienstag bis Sonntag verschiedenste Veranstaltungen statt. Beteiligt waren unter anderem das Literaturkontor, das Figurentheater Mensch Puppe!, sowie die Musikerinitiative. Finanziert wurden die Veranstaltungen durch Eintrittsgelder, den Senator für Kultur sowie Sponsoren

https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-kultur_artikel,-akteure-initiieren-sommer-summarum-_arid,1917439.html

„Nachtbrötchen“ Köln

Am 06. Und 07. Juni fand im Parkhaus des Flughafens Köln-Bonn eine Drive-in Kunstaustellung statt. Da aufgrund des Coronavirus der Flugverkehr nahezu zum Erliegen gekommen war, war das Parkhaus kaum ausgelastet. Die Drive-In Ausstellung „Nachtbrötchen“, welche von der Overhead Gallery, der Part2Gallery und dem DJ-Ensemble Strandpiraten initiiert wurde versuchte neue Wege zu gehen um Kunst in Verbindung mit elektronischer Musik an außergewöhnlichen Orten zu realisieren. Ziel der Ausstellung war es ein Lebenszeichen aus der Kulturbranche zu setzen und den Zugang zu Kunst zu vereinfachen. Schwerpunkte der Ausstellung waren Arbeiten aus Malerei und Skulpturen sowie Fotographie mit Schwerpunkt Street- und Pop-Art.

https://www.koeln.de/koeln/nachrichten/lokales/flughafenparkhaus-wird-zur-kunstgalerie-mit-nachtbroetchen_1149223.html

United We Stream:

Da durch das Coronavirus ab Mitte März alle Clubs und Musikveranstaltungsstätten in Berlin schließen mussten hat die Berliner Clubcommission, ein Brancheverband für Clubs und Kulturstätten in Berlin sowie Arte das Projekt United We Stream gestartet. Jeden Abend wurde aus einem anderen Club Musikauftritte und Diskussionsrunden im Internet ausgestrahlt. Außerdem wurde ein Spendenaufruf gestartet und die Clubs zu unterstützen. Durch den großen Erfolg der Kampagne in Berlin wurden auch in anderen Stätten wie Amsterdam oder Paris unter dem Label United We Stream Livestreams organisiert. Bis Mitte Mai kamen rund 1,4 Millionen € an Spenden an, alleine in Berlin wurden 500.000 € für die Erhaltung der Clubs gespendet.

Staatstheater Braunschweig: Wir kommen zu Ihnen

Da Theatervorstellungen in geschlossenen Räumen aufgrund der Corona Beschränkungen nicht stattfinden können bot das Staatstheater Auftritte auf der Straße oder in Innenhöfen an. Voraussetzung für die Eignung eines Spielortes war, dass die Abstandsregeln eingehalten werden konnten. Die Aktion unter dem Motto „Wir kommen zu Ihnen“ startete am 27. Mai. Interessierte konnten sich auf der Homepage um ein Stück bewerben. Es wurde um spenden gebeten.

https://staatstheater-braunschweig.de/produktionen/wir-kommen-zu-ihnen/

Drive in Theater Göttingen

Das Deutsche Theater in Göttingen bot Drive-In Theaterstücke in der hauseigenen Tiefgarage an. Für das Projekt „Die Methode“, welches auf dem Stück „Corpus Delicti“ basiert werden Besuche in die Tiefgarage eingeladen. Da jede Person im eigenen Auto saß waren die Abstandregeln gewahrt. Für jeden Schauspieler wurde ein eigenes Set gebaut, damit auch sie die Abstandsregeln einhalten konnten. Das Stück lief vom 9. Mai bis Anfang Juni.

Die Regisseurin Antje Thoms geht davon aus, dass in dieser Spielzeit auch wieder Theaterstücke im Theater stattfinden, jedoch wird dies in anderer Form als sonst stattfinden.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/drive-in-theater-in-goettingen-wir-sind-absolut-coronasicher.2159.de.html?dram:article_id=476371

Thorsten Windus / Aron Gal

Wie war das damals, beim ersten Lockdown?