Christi Himmelfahrt – ein Tag der mehr zu bieten hat, als man glaubt

Warum Himmelfahrt? Ostersonntag ist Jesus nach der Kreuzigung wiederauferstanden und hat noch 40 Tage zusammen mit seinen Jüngern verbracht. Dann ist er zu seinem Vater zurückgekehrt. Vorerst endgültig.
Warum Vatertag? Im Mittelalter haben die Gutsbesitzer diesen freien Tag dazu genutzt, um ihre Ländereien zu vermessen und zu markieren. Später wurden dann feuchtfröhliche Herrenpartien daraus.

(Lesezeit 10 Minuten) Christi Himmelfahrt und Vatertag – zwei Begriffe, die in Deutschland in enger Verbindung zueinander stehen. Dass der Vatertag das Gegenstück zum Muttertag ist, an dem die Männer im Vordergrund stehen und der von vielen Männern als Tag zu Ehren der Männer angesehen wird, ist vielen bekannt. Häufig sieht man Gruppen von Männern mit lauter Musik durch die Landschaft ziehen, einen Bollerwagen mit alkoholischen und weiteren Getränken hinter sich herziehend.
Doch den eigentlichen Grund, warum wir am gleichen Tag auch Christi Himmelfahrt feiern, kennen in Wirklichkeit nur die wenigsten. Um euch einen Überblick über die eigentliche Bedeutung des Feiertages zu geben, haben wir hier die wichtigsten Fakten zur Bedeutung und Verbreitung des Feiertages für euch zusammengefasst.

Wann feiern wir Christi Himmelfahrt?

Ebenso wie Pfingsten ist auch Christi Himmelfahrt ein Wanderfeiertag, der sich nach den Osterfeiertagen im Jahr richtet. Was jedoch mit Bestimmtheit gesagt werden kann ist, dass Christi Himmelfahrt immer 40 Tage nach Ostern gefeiert wird und immer auf einen Donnerstag fällt. Somit kann Christi Himmelfahrt frühstens auf den 30. April und spätestens auf den 03. Juni fallen. In diesem Jahr fällt er auf Donnerstag, den 21. Mai.

Biblischer Ursprung und Entwicklung

Der Ursprung des Feiertages lässt sich in den Schriften des Neuen Testaments vor allem im Evangelium nach Lukas und im ersten Kapitel der Apostelgeschichte ausfindig machen. Dort wird davon berichtet, dass Jesus sich nach seiner Auferstehung noch 40 Tage bei seinen Jüngern aufhielt, bevor er in den Himmel zu seinem Vater zurückkehrte. In diesen 40 Tagen predigte er seinen Jüngern vom Reich Gottes.
Bis zum 4. Jahrhundert wurde Christi Himmelfahrt mit dem Pfingstfest zusammen begangen, bis es sich im Laufe des Jahrhunderts zu einem eigenständigen Fest entwickelt hat.

Bedeutung von Christi Himmelfahrt

An Christi Himmelfahrt wird alljährlich die Rückkehr Jesus Christi zu seinem Vater in den Himmel gefeiert. Dies gibt dem Feiertag ebenfalls den Namen „Erhöhung Christi“.
Ganz genau bedeutet das: Er weilt nun nicht mehr unter den Menschen auf der Erde, sondern ist bei Gott, seinem Vater. In der Apostelgeschichte heißt es, dass Christus vor den Augen seiner Jünger in den Himmel gehoben wurde, wo ihn dann eine Wolke ihren Blicken entzog.

Neben Weihnachten, Karfreitag und Ostern stellt Christi Himmelfahrt somit einen weiteren Abschnitt im Leben von Jesus Christus dar. An Weihnachten wurde er geboren, an Karfreitag ist er gestorben, an Ostern wieder auferstanden und an Christi Himmelfahrt kehrte er zu seinem Vater in den Himmel zurück. Für die Jünger und alle Menschen bedeutete dies allerdings auch in einer Welt ohne leiblich anwesenden Jesus zu leben, es war das Ende des Zusammenseins von Jesus mit den Menschen. Doch der Abschied beinhaltete gleichzeitig auch einen Wendepunkt und den Beginn von etwas Neuem: der christlichen Gemeinschaft auf der Erde. Vor seiner Fahrt in den Himmel vertraute Jesus seinen Jüngern eine wichtige Aufgabe an und schenkte ihnen gleichzeitig die Hoffnung darauf, dass er bald zu ihnen zurückkehren würde. Durch seine Auffahrt in den Himmel gibt Jesus den Menschen ebenso die Hoffnung selber die Grenzen von Himmel und Erde überschreiten und den Weg zu Gott finden zu können.

Somit ist Christi Himmelfahrt gleichzeitig ein Tag der Hoffnung und ein Tag des Abschieds.

Symbole an Himmelfahrt

Zu den Symbolen an Christi Himmelfahrt gehören der Berg, der Himmel und die Wolke, welche in der biblischen Erzählung der Himmelfahrt (Apostelgeschichte) vorzufinden sind.

Berg

Der Ort, an dem sich Jesus Christus vor seinem Aufstieg in den Himmel mit seinen Jüngern getroffen hat, war der Ölberg. Der Berg symbolisiert für viele die Nähe zu Gott, ein Ort an dem sich Himmel und Erde augenscheinlich treffen. In der Bibel wird dieser an vielen Stellen als Ort der Gottesbegegnung beschrieben. Hoch oben auf dem Berg zu stehen, gibt manchen Menschen das Gefühl, Gott besonders nahe zu sein.

Himmel

Der Himmel, viele würden ihn als unendlich und nicht fassbar beschreiben. Er ist überall und doch nirgendwo, er schwebt über uns und ist für uns nicht direkt erreichbar. So wundert es nicht, dass der Himmel häufig auch als „Wohnung Gottes“ bezeichnet wird. Die Aussage „Gott wohnt im Himmel“ bedeutet demnach, dass er allgegenwärtig und doch für uns unerreichbar ist. Gleichzeitig ist der Himmel ein Symbol dafür, ganz in der Nähe von Gott zu sein. So wird er in der Theologie auch als Ort der Gottesnähe angesehen. Auch wenn er unerreichbar scheint, kann er doch in jedem von uns sein.

Wolke

Die Wolken am Himmel haben eine besondere Bedeutung. Auf der einen Seite begrenzen sie den Himmel und machen ihn somit für uns erfassbar. Auf der anderen Seite sind sie auch ein Zeichen der Verhüllung. Hinter ihnen verbergen sich an manchen Tagen Berge, Dörfer und der Himmel selbst. In der Bibel werden die Wolken als Zeichen der Gegenwart Gottes beschrieben. Mit ihnen verbirgt Gott seinen Anblick vor den Menschen auf der Erde. In den Erzählungen zur Himmelfahrt symbolisieren sie die Herrlichkeit Gottes. Durch sie wurde Jesus Christus endgültig bei seinem Vater im Himmel aufgenommen.

Brauchtum an Himmelfahrt

Das Brauchtum an Christi Himmelfahrt hat viele Facetten. Ein Brauch, der sich weitestgehend, aber nicht in allen Gemeinden bis heute gehalten hat, sind die sogenannten „Bitttage“. Sie finden drei Tage vor dem eigentlichen Feiertag statt und wurden mit Prozessionszügen oder Ritten durch die Wälder und Wiesen begangen. Den Gläubigen dienten die Bitttage früher dazu, für ein gutes Erntejahr zu beten. Dieser Brauch wurde im 4. Jahrhundert von der römischen Kirche eingeführt und breitete sich dann allmählich aus. Nach der weiteren Ausgestaltung durch Papst Gregor der Große um 600, wurden die Bitttage allerdings über 1300 Jahre später im Zuge der Liturgiereform von 1969 in der katholischen Kirche wieder abgeschafft.
Ein weiterer Brauch, der heute kaum noch zu finden ist, hängt eng mit einer besonders bildlichen Darstellung der Himmelfahrt zusammen. So wurden früher in den Gottesdiensten Christusstatuen an Seilwinden bis unter die Decke der Kirche gezogen und Blumen, Heiligenbildchen und manchmal auch „brennendes Werk“ aus dem sogenannten „Heilig-Geist-Loch“ herabfallen gelassen. Dies vermittelte aus theologischer Sicht jedoch ein völlig falsches Bild von dem Ereignis, da die „Himmelfahrt“ nicht wörtlich genommen werden sollte.
In manchen Gemeinden kam es mit dem sogenannten Höllensturz oder Himmelssturz auch zu einer Veranschaulichung des Gegenstücks, mit dem die Katholiken symbolisch die Herrschaft des Bösen beendeten. Dafür wurde eine Teufelsfigur vom Gewölbehimmel herabgestürzt und im Anschluss daran von der Gemeinde geschlagen.
 
Daneben ist Christi Himmelfahrt auch in der christlichen Kunstgeschichte von großer Bedeutung. Die Künstler scheuten sich lange Zeit nicht davor, das Ereignis wörtlich zu nehmen. Zahlreiche Darstellungen von der Auffahrt Jesu in die Wolken auf Gemälden bezeugen dies.

Ebenso war es an Christi Himmelfahrt üblich, dass nur Geflügel auf den Tisch kam, also nur „fliegendes Fleisch“, um die Himmelfahrt auch zuhause zu verdeutlichen.

Ein weiterer Brauch, der mit dem eigentlichen Christi Himmelfahrt nichts zu tun hat, aber dennoch seine Wurzeln im christlichen Feiertag hat, ist der Vatertag, auch Männertag genannt. Seine Wurzeln begründen sich darin, dass es an dem Tag viele Jahrhunderte üblich war, Feldumgänge und Feldumritte zu machen. Letztere wiederum haben ihren Ursprung in der Imitation des Gangs der elf Jünger Jesu, die sich auf den Weg zum Ölberg gemacht hatten, um Jesus zu verabschieden, bevor er vor ihren Augen in den Himmel gehoben wurde.

Traditionen

Neben den zahlreichen christlichen Bräuchen, die heute nur noch teilweise gepflegt werden, haben sich bis heute zwei bekannte Traditionen zu Christi Himmelfahrt gehalten: der Gymnicher Ritt und der Blutritt in Weingarten.

Gymnicher Ritt
Der Gymnicher Ritt ist die bekannteste Reiterprozession im Rheinland, die jährlich an Christi Himmelfahrt stattfindet. Es handelt sich dabei um eine 12 bzw. 17 Kilometer lange Gebetprozession, die durch den Ort Gymnich, einem Stadtteil von Erftstadt und die Gemarkung des Ortes führt. Die Wallfahrt wird sowohl zu Fuß als auch auf Pferden reitend begangen. Der Gymnicher Ritt geht der Legende nach auf ein Missgeschick des Ritters Arnold von Gymnich zurück, der auf der Flucht vor feindlichen Truppen während des Kreuzzugs von Damiette 1221 in einen Sumpf geraten ist und daraufhin ein Gelübde abgelegt hat. Mit der Teilnahme an dieser Gebetprozession erfüllen die Pilger und Pilgerinnen alljährlich dieses Versprechen und erbeten traditionell gleichzeitig auch den Segen Gottes.

Mehr dazu: http://erftstadt-gymnich.de/0000009a2d09a820e/index.html

Blutritt in Weingarten
Im öberschwäbischen Weingarten findet alljährlich einen Tag nach Christi Himmelfahrt, am sogenannten Blutfreitag, die größte Reiterprozession Europas statt, der Blutritt. Erwähnt wurde er erstmals 1529 und ist traditionell eine Männerwallfahrt, an der Frauen nicht teilnehmen durften. Mittelpunkt dieser Feierlichkeiten ist die Heilig-Blut-Reliquie, die seit über 900 Jahren in der Basilika in Weingarten aufbewahrt wird. Der Auftakt des Blutrittes findet bereits am Abend von Christi Himmelfahrt statt. Dort versammeln sich tausende Pilger zur Festpredigt und ziehen dann in einer Lichterprozession von der Basilika St. Martin zum Kreuzberg. Der Blutfreitag beginnt am frühen Morgen mit der Reitermesse in der Basilika, an die dann der eigentliche 10 Kilometer lange Blutritt durch Weingarten und das Umland anschließt.

Mehr dazu: https://www.weingarten-online.de/11048556.html

Vatertag: der etwas andere Brauch

Wie eben bereits erwähnt, zählt auch der Vatertag zum Brauchtum an Christi Himmelfahrt. Auch wenn dieser Brauch seine Wurzeln scheinbar sowohl in der christlichen als auch der heidnischen Kultur zu haben scheint, so ist bis heute unklar, worin der genaue Ursprung des Feiertages liegt. Eine wichtige Rolle spielen hierbei aber die Feldumgänge und Feldumritte, die seit jeher drei Tage vor dem eigentlichen Feiertag stattfanden.
Diese können ihren Ursprung einerseits im germanischen Rechtsbrauch haben, nach dem jeder Grundeigentümer zur Wahrung seiner Besitzansprüche, einmal im Jahr sein Grundstück umschreiten musste. Andererseits können diese auch auf die Apostelprozession zurückgeführt werden.

Die christlichen Prozessionen, bei denen die Gläubigen anfangs noch um ein gutes Erntejahr baten, verloren seit dem Mittelalter bereits mehr und mehr von ihrer religiösen Bedeutung. Der Konsum von Alkohol in unterschiedlichen Mengen rückte immer mehr in den Mittelpunkt. So kam es, dass sich daraus im 19. Jahrhundert bereits die ersten sogenannten „Schinkentouren“ oder „Herrentouren“ entwickelten. Bei diesen organisierten Fahrten aufs Land waren nur Männer erlaubt.

Seine Bedeutung erhielt der Vatertag vom amerikanischen „father´s day“, der seit den 1970er Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika immer am dritten Sonntag im Juni gefeiert wird. An diesem Tag ist es traditionell üblich, dass die Väter zusammen mit ihren Söhnen sportlichen Aktivitäten nachgehen und sich die Familie im Anschluss zum Barbecue trifft. Die Ausflüge in die Natur, die viele Männer heutzutage an Vatertag unternehmen, greifen die Tradition der Flurumritte und Umgänge aus dem alten Brauchtum des Himmelfahrtstages wieder auf. Diese gehören vor allem in Süddeutschland zu den regionalen Traditionen der Volkskultur. Viele nutzen den Vatertag aber auch dazu, Ausflüge gemeinsam mit der Familie zu unternehmen.
Die doppelte Nutzung des Feiertages, als Christi Himmelfahrt und Vatertag, geht auf die 1930er Jahre zurück und hat sich bis heute immer weiter etabliert. Den Vatertag, wie wir ihn heute kennen und feiern, wurde in Deutschland das erste Mal am Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung aufgegriffen und hat sich bis heute fortgeführt. In Deutschland gilt Christi Himmelfahrt seit 1934 als gesetzlicher Feiertag.

Michelle Drescher (md)