Einstieg in die PR für die Generation YZ?

Mal wieder so ein Telefonanruf, den ich nicht abwehren konnte. Ich sollte an der Uni Göttingen bei der SoWi GO! als Referent auftreten, eine der wenigen Praktikums- und Jobmessen, die sich speziell an Absolventen der Sozialwissenschaften wenden. Ich sollte etwas über die Zugangswege zum Beruf des Öffentlichkeitsarbeiters erzählen und aus dem praktischen Alltag berichten.

Eigentlich wollte ich nicht. Ich hatte so etwas ähnliches schon zweimal gemacht und bei den Studenten nur mehr oder weniger freundliches Desinteresse vorgefunden. Aber ich ließ mich breitschlagen.

Alles kam anders.

Mehr als 40 Studenten der Generation Y und Z drängten sich in dem Seminarraum und alle hatten Interesse am Beruf des Öffentlichkeitsarbeiters. Als ich ihnen die sieben Wege in den PR-Beruf schilderte, spürte ich schon ein wenig Empörung darüber, dass man nach dem Fachstudium meist auch noch ein Volontariat von ihnen erwartet. Als ich dann fragte, ob sie in ihrem Studium Konzeptionslehre, journalistisches Schreiben oder Organisation lernten, gab es betretenes Schweigen.

Vorurteile gegenüber Agenturen gelang es mir einigermaßen auszuräumen, indem ich einfach mal einen exemplarischen Tag in einer Agentur schilderte. Allerdings waren die Studenten schon entsetzt, als ich ihnen erzählte, dass Kollegen kürzlich bis drei Uhr nachts an der Vorbereitung für einen Agenturpitch saßen. So etwas kommt aber vor, auch wenn es nicht der Alltag ist.

Gefallen hat mir, dass ich auch mal nach Gehältern gefragt wurde. Von wegen der Generation Z geht es nur um Anerkennung!

Und gefallen hat mir auch, dass ich gefragt wurde, ob ich denn in meiner Arbeit immer alles mit meinem Gewissen vereinbaren könne. Als ich dann aber den PR-Beruf mit dem des früheren Hofnarren verglich, ein von den Mächtigen gekaufter Intellektueller, da war ihnen das dann doch zu starker Tobak.

Aller guten Dinge sind also drei. Trotz meines Zögerns zu Anfang, war ich am Ende doch begeistert über das Interesse der angeblichen Generation YZ.

Ich hoffe, dem ein oder anderen demnächst in der Branche zu begegnen.

Thorsten Windus-Dörr