Mit Tiernamen zum Erfolg

Beim HannoLab 2014 stand für meine Gruppe das Personalmarketing im Fokus: Dabei ist ein Tool entstanden, das „Employer Branding“ leicht macht.

„Generation Praktikum“. Klingt beinahe wie ein Schimpfwort – ist es irgendwie auch. Leute, die heute studieren, bangen häufig schon im ersten Semester vor dem Arbeitsmarkt. Woran genau das liegt, wissen die meisten eigentlich auch nicht so genau. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit ist einfach allgegenwärtig. Geradezu skurril erscheinen einem dagegen die aktuellen Sorgen der Unternehmen: Es bewirbt sich keiner mehr. Hä, wie jetzt? „Früher bekamen wir auf eine Stelle 600 Bewerbungen, heute sind es knapp 200, da laden wir schon mal Kandidaten mit einem Dreier-Abschluss ein.“, so der O-Ton eines Personalers aus einem großen niedersächsischen Versorgungsunternehmens.

Sorgt das bei Ihnen für ein fettes Fragezeichen? Bei uns auch. Wie kann es auf der einen Seite so viele Absolventen geben, die nach dem Studium lange Zeit keinen festen Job finden und auf der anderen Seite weniger Bewerbungen? Beim HannoLab 2014 ist mein Team dem Ganzen auf den Grund gegangen. „Employer Branding“ ist hier das Zauberwort. Uns fiel relativ schnell auf, dass das für die meisten Unternehmer ungefähr so kryptisch erscheint wie es sich auf den ersten Blick liest. Die meisten scheinen zu denken, dass potenzielle Bewerber von alleine auf ihre Firma aufmerksam werden. Seit wann kommt auch der Keks zum Krümel? Seit heute – oder besser gesagt: seit gestern! Unternehmer MÜSSEN für sich werben. In Zeiten, wo Produkte aufgrund der Fülle an Anbietern austauschbar werden, kann ein Unternehmen nicht erwarten, dass es die gleiche Zahl an Bewerbungen hat wie früher. Die qualifizierten Bewerber suchen sich ihren bevorzugten Arbeitsplatz selbst aus: Welcher Arbeitgeber ist am attraktivsten? Wo kann ich Familie, Hobby und Beruf unter einen Hut bringen? Wo kann ich meinen Work-Flow am besten mit dem des Unternehmens in Einklang bringen?

Bei dieser Fokussierung fallen andere Unternehmen gerne mal links und rechts des Weges herunter – und erhalten kaum noch Bewerbungen, obwohl es sie vielleicht schon viel länger gibt. Leuchtet Ihnen ein? Gut! Aber wie mache ich mein Unternehmen attraktiv für künftige Arbeitnehmer? Dafür hat mein HannoLab-Team eine Lösung gefunden: „Gib mir Tiernamen“. Hinter diesem etwas abstrakt klingenden Projekt steckt eine Basis-Idee, um das Personalmarketing in Ihrem Unternehmen zu optimieren. Die PRler unter Ihnen haben sicher schon mal etwas von Persona Profilen gehört. Wenn Marketing sich heute an Personal richtet, muss auch hier eine Einteilung in bestimmte Bezugsgruppen vorgenommen werden. Der Mitarbeiter aus der IT-Abteilung ist mit Sicherheit ein ganz anderer Typ Mensch als die Pressesprecherin oder der Lagerist aus dem Werk. Um alle wichtigen Typologien abzudecken, haben wir deshalb zu Tiernamen gegriffen. Klingt komisch, aber Sie werden gleich verstehen, was damit gemeint ist. Hier ein Beispiel:

Der Pinguin: „My office is my home“
Der Pinguin braucht einen festen Ort, an dem er arbeitet und sich sehr wohlfühlt. Regelmäßige Zeiten sind ihm wichtig, ebenso wie die Ausgestaltung und Personalisierung des Büros. Er braucht viele Sozialkontakte, gute Teamarbeitsräume und eine hohe Unternehmenskultur mit Wohlfühlangeboten.

Der Steppenwolf: „My work is my office“
Der Ort der Arbeit ist nicht so wichtig. Ein kleines Büro genügt, genauso gut ist Arbeit von zu Hause aus. Wichtig ist die Vernetzung mit relevanten Arbeitsbereichen per Internet, Mail, Chat.
Eine Bezahlung nach Leistung statt nach Zeit ist essenziell. Soziale Kontakte, Betriebsfeiern und ein kommunikationsintensiver Raum stellen eher eine Schwierigkeit denn eine Bereicherung dar.

Neugierig geworden? Die anderen Primärtypen finden Sie in unserer Projektvorstellung.

Wir haben übrigens mit unserer Idee beim HannoLab gewonnen und freuen uns jetzt, dass wir das Projekt realisieren dürfen. Der nächste Schritt ist eine Lehrveranstaltung am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung. Gemeinsam mit den Studierenden wollen wir einen Business-Plan, ein Marketing-Konzept und eine Lernlandkarte zum Projekt entwickeln. (Termine: 14.11., 12.12., 09.01., jeweils ganztägig) Der Einsatz dieses Tools könnte künftig vielen Unternehmern dabei helfen, sich auf potenzielle Arbeitnehmer einzustellen und sie so von ihrer Firma zu überzeugen. Und dann klappt es auch wieder mit den Bewerbungen.

Thorsten Windus-Dörr