Dunja Hayali im Gespräch

Dunja Hayali: „Wir müssen unseren Job erklären“

Gestern Abend drehte sich alles um Journalismus – zumindest bei der Veranstaltung des Presseclubs bei der die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali zu Gast war. Warum sie überhaupt Journalistin geworden ist und wie sie mit Anfeindungen umgeht, erklärte sie an diesem Abend. Allerdings stellte sie auch dar, warum Journalisten wieder verstärkt auf den Qualitätsjournalismus setzen sollten. 

Moderatorin Antonia Wellmann wollte gerade loslegen, da klingelte ein Handy im Publikum. „Wer ist das? Als ich noch Sportmoderatorin war, da kostete das einen Kasten Bier“. Dunja Hayali war gut drauf gestern Abend bei der Veranstaltung des Presseclubs Hannover zur Hugh-Carleton-Greene-Stiftung im vollbesetzten Sparkassenforum. Und das ging so weiter, Antonia Wellmann musste aufpassen, dass Hayali nicht selber die Moderation übernahm. Dabei waren die Themen schon sehr ernst. Wie sie mit den zahlreichen Hasskommentaren umgehe, die sie als „Journalistin mit Migrationsvordergrund“ (Hayali) bekomme. „Klare Ansprache und kritische Auseinandersetzung. Ich betrachte meinen Facebokauftritt als mein Wohnzimmer, da bestimme ich den Umgang.“

Hayali beklagt aber den rauen Ton, der überall eingerissen ist und dass die Leute „mittlerweile jeden Schwachsinn glauben“. Deshalb sei Qualitätsjournalismus jetzt doppelt wichtig. An dem Vertrauensverlust, den die Presse zu beklagen hat seien die Journalisten aber mitschuldig. In den vergangenen Jahren seien selbstverständliche Standards „flöten gegangen“, die Trennung von Kommentar und Bericht beispielsweise. Die FAZ sei mehr nach rechts abgedriftet, die SZ nach links und die Bild mache das, was sie schon immer mache, „nur noch schlechter“. Aber sie sehe, dass es besser werde, Journalisten merken, dass sie ihren Job erklären müssen: Wie sie Nachrichten auswählen, warum sie nicht über jedes Verbrechen überregional berichten, nur weil ein Flüchtling der Täter ist. Was der Spiegel letzte Woche angeleiert habe, ein Diskussionsforum mit den Lesern, das sei ein guter Ansatz. Den anwesenden Studenten und jungen Journalisten riet sie neugierig zu sein, Interesse an anderen Menschen und an Geschichten zu zeigen, aber auch anderen auf die Nerven zu gehen: Politikern beispielsweise. Oder Chefredakteuren. Und kollegial sollen sie sein, „denn ohne dein Team bist du nichts.“

Am Ende verriet Dunja Hayali noch, dass sie ja eigentlich Journalistin geworden sei, weil sie Boris Becker treffen wollte. Dass sie bei dem Foto, das Denis Yücel mit seiner Frau vor dem türkischen Gefängnis zeigt, gedacht habe: „Wie gut wir es doch in Deutschland haben.“
Und sie erzählte von Dingen, die schief gelaufen sind: „Mein Interview mit Ivanka Trump war eine Katastrophe“. Aber sie stehe dazu, „zu jedem Fehler“.

Die Sir-Hugh-Carleton-Greene-Stiftung fördert seit fast 20 Jahren junge Journalisten: Dabei stehen konkrete journalistische Projekte im Fokus. Zwei Beispiele: die aufwändige Recherche des Themas „Spätfolgen des Hurrikan Harvey in Texas“ (veröffentlicht 2017 in der „Zeit“) und die Bericht-Serie über die Folgen des EU-Austritts Großbritanniens für die Region an der Grenze zwischen Irland und Nordirland. Der Abend war für die Stiftung Auftakt zu einer Neuausrichtung. Sie will mit mehr Sponsoren mehr Stipendien für den Journalistennachwuchs anbieten. Außerdem sollen dreimal im Jahr Veranstaltungen angeboten werden. Die nächste wird im April mit ARD-Tagesthemenmoderator Ingo Zamperoni stattfinden.

Auch die HAZ berichtete. Dunja Hayali: „Ich stehe zu jedem Fehler“ (6. März 2018)
www.sir-greene-stiftung.de
www.presse-club-hannover.de

Thorsten Windus-Dörr