Ein besonderes Amt

Ein besonderes Amt

Seit Montagabend ist es jetzt also offiziell: Ich bin die neue Nachwuchssprecherin für die DPRG-Landesgruppe Niedersachsen/ Bremen. Die wichtigste Frage ist für mich gerade: Was möchte ich eigentlich in meinem neuen Amt erreichen?

Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich mit konkreten Zielen und besonderen Visionen an dieses Amt herangegangen bin. Wie meistens in meinem Leben habe ich mich dazu ziemlich spontan entschieden. Die Landesgruppe hat kurz vor der Wahl noch jemanden gesucht, der den Nachwuchs vertritt und da unsere Agentur komplett in der DPRG Mitglied ist, ist dieses Gesuch natürlich nicht spurlos an uns vorbeigezogen. Ich schlief also erst einmal eine Nacht drüber (das haben meine Eltern mir schon als kleines Kind beigebracht) und schrieb am nächsten Tag eine Mail mit meiner Kandidatur. Dann startete das neue Kapitel „Verbandsarbeit“ mit einem Schnelldurchlauf: Keine Woche nach meiner Mail stand das Vorab-Treffen mit dem jetzigen Vorstand und den Mitgliedern der Landesgruppe an, die für den neuen Vorstand kandidieren wollten. Etwas unschlüssig stand ich vor dem Eingang und fragte mich, was ich hier eigentlich tat. “Was man anfängt, bringt man auch zu Ende!” Diese und ähnliche Weisheiten schwirrten mir durch den Kopf und ich ging schließlich rein. Umso überraschter war ich dann, wie freundlich mich alle sofort aufnahmen. Ich saß keine fünf Minuten am Tisch und schon waren wir alle per Du. Diese lockere Art kam meinen rheinischen Wurzeln sehr entgegen und ich fühlte mich sofort wohl.

Wieder keine Woche später stand dann schon die Wahl an – Montagabend. Im Besprechungsraum der Bürgerstiftung Hannover saßen wir mit rund 20 Mitgliedern und lauschten den Worten des neuen DPRG-Präsidenten Norbert Minwegen aus Köln. So weit, so gut! Kaum eröffnete Minwegen dann das Fragefeuer, kippte die Stimmung. Ich, die ja absoluter Neuling im Verband bin und die DPRG nur von gemeinsamen Veranstaltungen mit dem PRSH während meines PR-Studiums kannte, war angesichts der Verbitterung, die in einigen Stimmen mitschwang, erstaunt. Erst sog ich noch jedes Wort in mich auf, um einen möglichst guten Überblick über die Situation in den letzten drei Jahren zu bekommen. 15 Minuten später entschied ich mich um: Ich kenne die Vergangenheit des Verbands nicht und das ist wahrscheinlich mein größter Vorteil. Es hilft mir in meiner Situation nicht weiter, mir Erzählungen aus der Vergangenheit anzuhören, weil jedes einzelne Mitglied  sie vermutlich anders erlebt hat. Ich kann also nur nach vorne schauen. Das macht mich frei in meinem Denken und Handeln und wird mir sicher helfen, das ein oder andere in meiner – zum Teil auch naiven – Unerfahrenheit zu hinterfragen.

Ich sehe links und rechts neben mir das neue Vorstandteam, zu dem ich nun auch gehöre und das mir am Montag noch sympathischer wurde. Warum? Man merkt, dass jeder einzelne Lust auf sein Amt hat. Ob wir etwas verändern oder bewegen – das können wir nicht versprechen. Aber wir werden versuchen, den Spaß, den wir in unserer Zusammenarbeit im Vorstand in den nächsten drei Jahren haben werden, in die Landesgruppe hineinzutragen. Verbände müssen nicht immer ernst sein, das ist der geschäftliche Alltag schon oft genug. In der DPRG möchten wir uns doch in erster Linie austauschen und den Rat anderer Pressesprecher, Kommunikationsleiter, PR-Berater und Volontäre suchen. Norbert Minwegen hat es auf den Punkt gebracht: Unternehmensvertreter möchten unverfänglich mit Agenturchefs reden, ohne am nächsten Tag eine Rechnung auf dem Tisch liegen zu haben. Das Agenturvolk kann sich neue Anregungen und Ideen holen, wie man Unternehmen als Kunden erfolgreich akquirieren kann. Der fachliche Austausch ist spannend und in einer Zeit mit so vielen Umbrüchen in der Branche wichtig – für jeden einzelnen. Das alles macht die DRPG möglich. Wenn man mitmacht, denn ein Verband ohne Leben kann nicht funktionieren. Es hilft nicht, wenn die Mitglieder mit dem Finger nach oben zeigen und sagen, was schlecht ist. In einem Verband können sie selber aktiv werden, sich Leute mit gleichen Interessen suchen, Arbeitskreise gründen und Zukunftsszenarien diskutieren. Unsere Aufgabe für die nächsten drei Jahre ist es also, die Motivation dafür wieder zu wecken.

Und meine ganz besonders: Den PR-Nachwuchs davon zu überzeugen, dass „Selbermachen“ mehr hilft als jedes theoretische Studium. Natürlich kommt man daran heutzutage nicht mehr vorbei (ich habe es ja auch gemacht), aber die wirklich nützlichen Erfahrungen habe ich erst im Berufsalltag gesammelt. Damit der Weg dahin weniger steinig ist, bietet der Verband Raum für Fehler. Hier kann man selbstständig Veranstaltungen organisieren, in Arbeitskreisen mitwirken, das Verbandsleben kennenlernen und Kontakte zu anderen Mitgliedern knüpfen, die selbst schon seit Jahren und Jahrzehnten in der Branche arbeiten und wissen, wie sie tickt. Die Erfahrungen, die junge Menschen in dieser Zeit sammeln können, werden ihnen in der Zukunft helfen, ihren eigenen Weg in die Branche zu finden. Da ich selbst noch ganz am Anfang stehe, möchte ich diese Chance ergreifen und freue mich auf die nächsten drei Jahre.

Anne Keppler